Das Leid mit dem Verschleiß

Ich hab weitere 1000km hinter mich gebracht, bin aktuell bei 2038km, und hab einiges dazu gelernt.

In Kurz (TL;DR)

  • Die Materialkosten für Verschleiß sind minimal: 24 EUR in ca. drei Monaten Fahrzeit
  • Der Wartungsaufwand, wenn man noch nie was mit (hydraulischen) Scheibenbremsen zu tun hatte, und diese falsch eingestellt sind, ist nicht hoch, aber nervig. Weiß man dann, was man tut, ist alles easy-peasy.
  • Die Kette verschleißt vorerst quasi gar nicht.
  • Läuft!

Scheibenbremsen sind schon etwas anders

Ich hab am Rad hydraulische Scheibenbremsen (Shimano BR8000), und bisher noch nie was mit dieser Bremsenart zu tun gehabt. Dass der Brems-Belag verschleißt, ist ja normal, dass die Bremsscheibe im gleichen Intervall hinüber ist, eher nicht.

Nach 1347km Gesamtstrecke hab ich zur Sicherheit die hintere Bremsscheibe gewechselt, da die auf 1,55mm runter war und 1,50 ist als Minimum angegeben. Um dem Problem auf die Spur zu kommen, hab ich jedes Wochenende die Bremsklötze ausgebaut und alles gemessen. Folgendes kam dabei heraus:

DatumLaufleistung in kmBelag in mmScheibe in mm
vornhintenvornhinten
15.02.1920382,703,501,551,70
09.02.1918172,853,651,551,70
26.01.1916242,953,701,601,70
19.01.1915133,003,751,601,80
12.01.1913473,103,801,602,00
  • Bremsklotz vorn: „Resin“
  • Scheibe vorn: 180mm
  • Bremsklotz hinten: „Metal“
  • Scheibe hinten: 160mm
  • „Belag“ = die Dicke incl Träger (2mm). Das Abstandsblech ist 0,3mm dick, was auch noch vom nutzbaren Belag wegfällt. Initial ist das Ding 4mm dick.

D.h. laut den Messdaten hat sich die Scheibe anfangs extrem schnell abgenutzt, dannach dann eher gar nicht mehr. Und: der letzte Sprung bei der Abnutzung der Bremsbeläge dürfte das Regenwetter gewesen sein, denn in der Woche bin ich zwei mal nass geworden und dann spritzt immer sehr viel Dreck hoch, der auch bis in die Bremse kommt.

Beim heutigen wechseln der Bremsklötze vorn, bekam ich die neuen Beläge nicht rein. Die Bremszylinder ließen sich nicht so weit zurück schieben, wie nötig. Also: Rad ausgebaut und dabei gelernt, wie eine Steckachse funktioniert. (Tipp: macht das beim ersten mal auf sauberem, hellem Untergrund. Die Einzelteile sind mir alle runtergefallen, weils überraschend viele waren.) Dann mit einem dicken Inbusschlüssel und Kraft die Zylinder nach außen geschoben. Es knarzte ein wenig und siehe da – die Dinger steckten fest und standen auch noch ungleichmäßig weit reis. D.h. „loslassen“ konnten sie nicht mehr allein. Jetzt gehts wieder.

Außerdem war das Hinterrad, mit Schnellspanner, etwas schief eingesetzt, so dass die Scheibe an dem Schlitz im Bremssattel wenig, aber dauerhaft schliff.

Ich Vermute, dass beides initial auch so war, ggf durch den Transport. Dann verschleißt es halt extrem schnell hört aprupt auf, wenn genug Material weg ist, dass sich die Teile nicht mehr berühren. Jetzt hab ich kontrolliert, dass sich die Teile im „Nicht-Brems-Zustand“ alle nicht berühren. Das wiederum ist nicht ganz trivial. Man muss wissen, worauf man achten muss, denn man hört quasi nichts und das Rad dreht sich auch fast widerstandslos.

Ansonsten noch: Der lokale Händler riet mir auch von „Metal“ Bremsbelägen ab, weil der Verschleiß so hoch sei; ob vom Belag oder der Scheibe hat er nicht dazu gesagt. Nach den Messdaten würde ich jetzt behaupten: „Metal“ hält doppelt so lang wie „Resin“ und kostet exakt das doppelte (gut 10 EUR das Paar). Ansonsten gibts beim Bremsverhalten keinen Unterschied. Lohnt also, weil man weniger Arbeit damit hat.

Prognose: Metal-Belag hält bei Schönwetter fast 5.000km und bei Nässe 2.500km (Resin eben 2.500km bzw 1.250km). Die Scheiben sollten 10.000km bei Wind und Wetter aushalten. Ich werd jetzt alle zwei Wochen/500km kontrollieren und hoffe, dass später alle 1000km reicht.

Von wegen Kettenverschleiß

Viele Rad-Händler teilten mir mit, dass mit meinem Gespann die Kette das Hauptproblem sein würde so dass ich die oft wechseln muss. Die Meinungen reichen von 500km bis 2500km. Das erscheint mir doch extrem kurz und auf Dauer teuer. Bei 500km sind das 35 EUR alle zwei Wochen plus die Arbeit beim Wechseln – dafür müsste ich die Kette quasi nie Ölen.

Hab viel gelesen, bin dadurch nicht schlauer geworden. Hab mir ne Kettenlehre gekauft, die den irrelevanten Rollenverschleiß angeblich nicht beachtet, und zeitgleich die Kettenglieder außen mit einem Meßschieber gemessen (allerdings mit den halben Werten, weil mein Meßschieber nur 150mm lang ist). Letzteres soll wohl die unverfälschteste Messung sein. Gemessen hab ich:

  • 24.12.2018 und 1.000km: außen 127,5mm lang, die Lehre bleibt liegen
  • 15.02.2019 und 2.038km: außen 127,5mm lang, die Lehre fällt durch

Hinweis: Außenmessung sagt: 127mm = neu, 128mm = wechseln; Kettenlehre: bleibt liegen = ok, fällt durch = wechseln

Die Lehre sagt mir also, ich soll schon wechseln, bei gerade mal 2.000km. Allerdings ist der hintere Teil der Lehre beim ersten mal sehr schwer zwischen die Rollen gerutscht, beim zweiten mal ging das verteufelt leicht rein. Die Rollen sind also gut abgenutzt, aber das schadet eigentlich gar nichts. Also hab ich noch meinen Radsport-Affinen Nachbarn gefragt. Der meinte, er drückt die Kette am vorderen Kettenblatt in der Mitte, wo die aufliegt, nach oben und wenn sich das 1 cm bewegen lässt, sollte die Kette gewechselt werden (das wird hier als „manuell“ beschrieben).

Da sich meine Kette mit der Methode noch fast gar nicht anheben lässt, spricht das für mich dafür, dass die Außenmessung ok ist, dass hier noch absolut nichts gemacht werden muss und dass die Kettenlehre ignoriert werden kann.

Weiteres

  • Tatsächlicher Verschleiß bisher: zwei paar Bremsbeläge (je 6 EUR) und eine Bremsscheibe (12 EUR)
  • Der, diesmal gemessene, Stromverbrauch von km 1000 bis km 2038: 7,50kw/h
  • Aktuelles Reifenprofil: vorn 1,50mm, hinten 1,40mm, von initial 2,00mm. Oh oh.
  • Kette Ölen ist alle zwei Wochen bzw 500km nötig.
  • Reifen aufpumpen auf 5,5bar weiterhin alle zwei Wochen bzw. 500km, weil es auf <4,5bar gesunken ist.
  • Die Pedalen müssen alle vier Wochen geölt werden. die fangen andauernd an zu quietschen.
  • Kälte bis -4°C ist kein Thema. Aktuell sind Früh -2°C – also auch ok. Nachmittags sind aber +13°C und an Tälern im Rheingau, wo Bäche den Taunuskamm herunterlaufen, sind es nur ca +5°C. Wechselbäder sollen ja gesund sein. Ich zieh aktuell Jacke und Schal aus, schwitze nicht aber friere dann in den Tälern. Andersherum finde ich es weniger gut erträglich.

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