Reparaturen und Spielzeug

Zwischen 2000 und aktuell 3017 km gabs die ersten, größeren Problemchen. Und ich musste fast drei Wochen mit Radfahren aussetzen, weil meine Hündin operiert wurde. Das brachte mich etwas aus dem Takt.

In Kurz (TL;DR)

  • Die Kettenlehre, zumindest die Art die ich hab, stimmt ziemlich genau
  • Alu kann sehr haltbar sein und Stahl auch mal zu weich
  • Der Verschleiß liegt aktuell bei 24 EUR pro 1000km plus 61 EUR pro 2000 km. Macht also ~55 EUR alle 1000km.
  • Klickpedalen machen Laune und helfen

Dreckige Ketten sind schlecht meßbar

Kaum hatte ich mich auf meine These eingestellt, dass die Kette noch hält und die Kettenlehre unrecht hat, holte mich die Realität ein. Es gab bei km 2300 ein paar verregnete Tage und plötzlich rutschte die Kette massiv durch. Ich entschied mich, das Rad mal per Hochdruckreiniger grob zu putzen und dann alles zu prüfen.

Nach dem Absprühen kam ich dann meinen Hausberg nicht mehr in den normalen Gängen hoch. Die Kette sprang quasi ohne Widerstand über. Also musste ich im kleinsten Gang fahren, um überhaupt anzukommen.

Zu Hause bot sich dann dieses Bild. Nach wie vor: die Kettenlehre rutschte durch (= Kette verschlissen) und per Messschieber kam eine Länge von 127,5mm raus (= Kette ist ok).

In dem Zustand ist es schwer, mit dem Messschieber irgendwas anzupeilen

Da hier was faul sein musste, hab ich ein Stück die Kette gereinigt. Allein das hat Zeit gekostet und eine Menge Küchenrolle. Ergebnis: jetzt konnte ich am Messschieber mehr als 128mm feststellen (also: Kette verschlissen).

So geht das deutlich besser, aber das zu erreichen ist ne sau Arbeit

Ich vermute, dass man durch die Menge an Dreck die Kette nicht vernünftig streckt und außerdem auch so einfach schlecht den Punkt zum Ablesen finden kann.

Die „manuelle Methode„, mit der man die Kette am Zahnkranz etwas anhebt, ist so auch nicht sinnvoll nutzbar. Wenn man mal im Vergleich eine neue Kette anlegt und versucht anzuheben, bewegt sich da so rein gar nichts. Wenn, wie bei mir, sich die Kette um nen halben Zentimeter anheben lässt, ist’s schon am Limit bzw. drüber. Da eine Grenze zu erkennen ist schwer.

Also ist die Kettenlehre wohl die sinnvollste Methode: schmutzfrei, schnell und zuverlässig.

Nun musste ich also die Kette wechseln. Immerhin hatte ich schon einen Kettennieter besorgt und eine neue Kette – wieder eine KMC E10 mit 120 Gliedern, wie die Originale. Also durchgeknipst und die neue aufgezogen. Dabei musste ich noch lernen, dass ein QuickLink Kettenschloss auch klemmen kann. Drückt man es in der Mitte mit einer Zange zusammen, zieht es sich ohne großen Kraftaufwand dann aber problemlos auseinander und rastet ein.

Zahnkränze aus hartem ALuminium

Da ich das mit der Kette schon eine Weile beobachtet habe ist mir auch aufgefallen, dass bei meinem Kettenblatt die Zähne „abgenutzt“ sind. Also hab ich ein neues bestellt, zur Sicherheit, und mich erschreckt, als ich es ausgepackt hab. Das Teil ist aus Alu und wiegt 160g, also quasi nichts, und fühlt sich, durch die behandelte Oberfläche, eher wie Plastik an.

Nachdem ich das alte Kettenblatt ausgebaut, gereinigt und dem neuen gegenübergestellt hab, fiel folgendes auf

  • Die Zähne sind im Original genauso ungleichmäßig. Es ist keinerlei Muster zu erkennen, aber das ist wohl so gewollt.
  • Die verschlissene Kette hat das Kettenblatt schon etwas beschädigt, aber nicht viel. Man sieht, dass die „Täler“ etwas ausgeschliffen wurden und nicht mehr ganz rund sind, aber die neue Kette liegt plan auf dem alten Blatt auf und passt noch exakt.
  • Beim Ausbau den Blattes fielen die Muttern immer in die Verkleidung meines Mittelmotors am Rad. Das ist fummelig, die wieder da raus zu kriegen. Richtig mies war der Zusammenbau, denn da durfte ich mit spitzen Fingern alle vier Schrauben zeitgleich irgendwie in Position halten und immer war dieser Motor im Weg. Da sollte man Zeit und Geduld mitbringen.
Hinten = neu, vorne = alt; Die Zähne sehen fies aus, sind aber original auch so

Meine Befürchtung, dass ein Aluminium-Kettenblatt schnell verschlissen sein wird, hat sich nicht bewahrheitet. Laut einiger Foren kann man mit der richtigen Legierung bei Alu extremviel erreichen. Und das bei dem Gewicht. Nicht schlecht.

Also hab ich das Rad wieder startklar gemacht und bin am nächsten Tag damit wieder los.

Ritzel aus weichem Stahl

Sagen wir so: im höchsten Gang die komplette Tour zu fahren ist „etwas“ ungemütlich. Die Kette rutschte jetzt in allen „Gebrauchsgängen“ direkt durch, nur der kleinste und der größte Gang funktionierten noch. Der kleinste war keine Option, denn ich will irgendwann auch mal ankommen. Der Größte ist bei 45 km/h noch gut nutzbar, aber bei normaler Reisegeschwindigkeit, um die 30 km/h, ist es doch eher schlecht.

Am Abend also wieder das Rad auseinandergebaut und diesmal das Ritzel entfernt. Auch da: in weiser Vorraussicht hatte ich mir eine Kettenpeitsche besorgt und auch schon ein Ersatzritzel. Ohne die und einen Gartenstuhl hätte ich das nie abbauen können.

Der Trick mit dem Stuhl ist, den Steckschlüssel mit dem Abzieher unter den Stuhl zu klemmen, jemanden auf den Stuhl setzen und mit der Kettenpeitsche denn mit einem kräftigen Tritt das Teil lösen. Einfach nur mit den Armen, selbst mit Verlängerungen, bewegte sich da bei mir gar nichts.

gut sichtbar: welche Gänge nutze ich
schlecht sichtbar: wie kaputt ist das Ding

Und wieder musste eine Menge Küchenrolle dran glauben, um das Teil zu putzen, damit man überhaupt sehen kann, wo das Problem liegt. Nach einer endlosen Zeit und sehr schmutzigen Hängen gabs dann dieses Ergebnis.

Grün: kaum genutzter Gang – so gehört das
Rot: mein Lieblingsgang – komplett zerdrückt

Im Bild ist gut zu sehen, welchen Gang ich am meisten nutze. Die „Täler“ sind schon recht stark, und auch sägezahnartig, ausgeschliffen. Aber am schlimmsten sind die zerdrückten Zähne. Das Material, übrigens Stahl, wird von den Rollen der Kette einfach zerdrückt so dass sich > 0,5mm große Grate bilden. Diese verfangen sich in der Kette und verhaken sich dort, wenn die Kette eigentlich sauber weiterlaufen sollte. Dadurch springt die Kette dauernd über die Zähne.

Auch da hab ich wieder einige Foren gefunden, in denen das Problem beschrieben wird. Die Stahl-Legierungen sind teilweise zu weich. Leider kann man erst im Nachhinein erkennen, ob ein Ritzel aus harten oder eben zu weichem Stahl besteht. Das bisherige, Shimano HG50-10 11-36, ist also eher weich.

Was eben noch auffällt: den kleinsten und den größten Gang hab ich quasi nie verwendet. Die sind nur Ballast.

Idee #1: Ich tausche nur die abgenutzten Kränze. Problem: eine Ritzel-Kasette gibts nur am Stück. Die meisten Kasetten bestehen aus einem Packet und dem kleinsten Kranz. Einige aus mehreren Teilen. Aber weder einzelne Kränze noch die Packetteile hab ich finden können. Es gibt eine Seite, wo man ein paar Teile kaufen kann, dann aber zu Preisen die teurer sind als eine ganze Kasette.

Idee #2: Ich verändere die Übersetzung so, dass ich tatsächlich eher alle Gänge nutze und alles gleichmäßiger abgenutzt wird – und hoffentlich etwas länger hält.

Das neue Ritzel, Shimano HG 81-10 11-32, ist etwas teurer, was hoffentlich besseres Material ist. Es ist ein „Rennrad-Ritzel“, bei dem die Gänge dichter beieinander liegen, dafür „fehlt“ der kleinste Gang. Ich bin ja schon 700km damit gefahren und bisher fühlt sich das richtig gut an, weil ich die Übersetzung, gerade in meinem „Wohlfühlbereich“, etwas besser unterteilen kann.

Immerhin funktionierte ab da wieder alles Problemlos. Kein Überspringen der Kette mehr.

Ein Fahrradmantel in Superdünn

Da „es läuft alles“ aber langweilig ist, stand das Rad kurze Zeit später mit einem Platten da. Das Loch war so klein, dass ich es an der Wange nicht spühren konnte. Unterwegs flicken ging also nicht. Immerhin konnte ich 30min fahren, bis wieder aufgepumpt werden musste. Sogar zu Hause im Wasserfass war es kaum sichtbar. Aber: Flicken drauf und fertig.

Das Loch war nicht in der Lauffläche und die Mantel-Seite ist so dünn, dass sie sich wie Stoff anfühlt, wenn man diesen Teil knickt. Von früheren Mänteln bin ich da deutlich mehr Material gewöhnt. Mal sehen, ob das für den Verschleiß von Bedeutung ist und ob ich mir da öfter was einfahre.

Spührt man kaum zwischen den Fingern: die Mantelwände sind hauchdünn

Zwei Tage später gab es aber schon wieder einen Platten. Also wieder geprüft und siehe da: das erste Loch war so klein, dass ein winziges bisschen Unsauberkeit beim Flicken reichte, dass sich die Luft unter dem Flicken durchdrücken konnte. Und zwar so wenig, dass es zwei Tage dauerte, bis der Reifen platt war. Das war so schlecht, auch im Wasser, zu sehen, dass ich 15 Minuten suchen musste. Da stieg nur alle 10 Sekunden ein Mini-Bläschen auf.

Ab da lief es aber immerhin ohne weitere Zwischenfälle.

Neues Spielzeug: Klickpedalen

Aus Jux und Tollerei hab ich mir SPD-Klickpedalen gekauft incl. passender Schuhe. Da ich vor 15 Jahren nur ein, zwei mal mit sowas gefahren bin, allerdings nicht ernsthaft, war das etwas ungewohnt. Aber das Ablösen und Einklinken hat man innerhalb von ein paar Fahrstunden gelernt.

Interessant war die erste Fahrt. Plötzlich gab es mehr Muskeln, die ich beim treten nutzen konnte, weil man ja auch die Pedale hochziehen kann. Das hab ich dann auch gemacht und damit stieg meine Reisegeschwindigkeit von sonst 28 km/h auf >32 km/h. Allerdings nur so knapp 10 km. Dann meldete mein Kreislauf, dass die Idee zwar nett ist, aber meine Kondition dafür noch nicht ausreicht. Der Muskelkater dannach war an Stellen, die ich so noch nicht kannte.

Ich bin jetzt schon gut 500km damit gefahren und es lohnt sich. Kurze Leistungsspitzen kann man mit beiden Beinen deutlich entspannter überwinden. Und auf der Langstrecke erhöht sich, mit Trainig und Gewöhnung, die Reisegeschwindigkeit. Ohne Klick-Schuhe knapp 28 km/h, mit Klick sind es 29 bis 30 km/h.

Weiteres

  • Tatsächlicher Verschleiß: Eine Kette (28 EUR), eine Ritzel-Kasette (32 EUR) und zwei Flicken (ca 1 EUR)
  • Stromverbrauch der letzten 1000 km: 6,49 kw/h (vormals 7,50kw/h). Entweder werde ich besser, oder der Gegenwind lässt nach. Vermutlich von beidem etwas.
  • Aktuelle Reisegeschwindigkeit: etwas mehr als 29 km/h
  • Ab 12°C fahr ich komplett in Kurz, also Radlerhose und Trikot und fertig. Es ist allerdings echt schwer im März, wo ich die Klamotten gesucht hab, kurze Fahrradsachen zu finden.
  • Bremsen-Verschleiß; Stand vom 03.03.2019 bei 2482km: Belag vorn = 3,65mm (der war bei 2000km neu gewechselt), Scheibe vorn = 1,55mm, Belag hinten = 3,30mm, Scheibe hinten = 1,70mm. Stand vom 11.04.2019 bei 3017 km: Belag vorn 3,20mm Scheibe vorn = 1,55mm, Belag hinten = 3,00mm, Scheibe hinten = 1,70mm. Meine Prognose der Haltbarkeit passt nach wie vor.
  • Mein Wartungsplan ist jetzt simpel: immer bei vollen 500km und 1000km werden alle Reifen aufgepumpt, die Kette geölt und deren Verschleiß mit der Lehre gemessen und Bremsbeläge und Scheiben mit dem Messschieber geprüft. Dauert 5 bis 10 Minuten und kommt ca alle zwei Wochen vor.
  • Der Werkzeugschrank füllt sich. Allerdings sehe ich aktuell nicht, was jetzt noch dazu kommen sollte.
Ritzelabzieher und dazu passender Steckschlüssel, Kettenpeitsche, Inbus-Satz, Kettenlehre, Messschieber, Kettennieter, Reifenabzieher. Es fehlt das Verbrauchsmaterial – Öl, Flickzeug und Talkum – und die Luftpumpe.


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